Dies.Das.Asana – Ein gefallener Engel

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Wer meine Kolumne über innovative Yogahaltungen kennt, denkt bei diesem Foto vielleicht im ersten Moment an Breakdance. Stimmt nicht: Der gefallene Engel ist Yoga pur. 

Fallen Angel oder in Sanskrit Devaduuta Panna Asana ist eine wunderschöne Haltung, die mir erst vor einigen Jahren begegnete. Sie erfordert nicht nur eine Menge Kraft und Körperkontrolle, sondern auch Anmut und Hingabe. Für mich hat sie auch eine tiefere Bedeutung: Dieser Engel kann uns vor Augen führen, dass das innere Licht selbst nach einem Fall niemals erlischt. Man schlüpft in die Rolle des Engels, der seine Aufgabe und sich selbst aus den Augen verloren hat. Trotzdem kann er aus seiner inneren Kraft heraus wieder anmutig die Flügel aufspannen – genau wie wir, wenn das Leben wieder mal verrückt spielt und keine Rettung in Sicht ist. Der gefallene Engel lehrt mich, dass selbst in den Tiefen des Alltags der Funke vorhanden ist, der unser Seelenfeuer immer wieder auf’s Neue zum Leuchten bringen kann. Und dass Anmut und körperliche Stärke Hand in Hand gehen.

 Muss ich das können? 

Nein. Diese Asana richtet sich an Fortgeschrittene, die sich in Armbalancen, insbesondere in Parshva Bakasana (seitlicher Kranich bzw. Krähe), und im Kopfstand schon sicher fühlen.

 Was brauche ich? 

Grundvoraussetzung ist genügend Armkraft, um eine gute Spannung im Rumpf halten zu können und in Umkehrhaltungen nicht die Orientierung zu verlieren.

 Ist das gefährlich? 

Ohne das nötige Gefühl für die Spannungsverhältnisse im eigenen Körper wird diese Asana zur Tortur, insbesondere was das auf dem Kopf lastende Gewicht betrifft.

Schritt für Schritt:

1  Sie beginnen quer und mittig auf ihrer Matte stehend in Tada-sana (Berghaltung). Dann beugen Sie die Beine und kommen in Utkatasana (Stehhocke). Legen Sie die Hände vor dem Herzen zusammen und drehen Sie den Oberkörper mit einer Ausatmung langsam nach rechts. Dabei schieben Sie Ihren linken Arm so weit wie möglich über das rechte Knie und schmiegen Arm und Bein dicht aneinander. 

2  Setzen Sie die Hände parallel zueinander rechts neben den Füßen auf den Boden. Mit einer Ausatmung verlagern Sie das Gewicht nach vorn, bis Sie auf den Händen im seitlichen Kranich (oder der seitlichen Krähe) balancieren.

3  Sehr langsam und kontrolliert verlagern Sie das Gewicht mit dem Blick geradeaus immer weiter nach vorn, bis Sie das rechte Ohr auf die Matte legen können. Wichtig: Je mehr Gewicht Sie Ihrem Kopf zumuten, desto mehr Stress üben Sie auf den Nacken aus. Deswegen sollten Sie bewusst das Gewicht mit den Händen stützen und den gesamten Rumpf aktivieren.

4  Spannen Sie jetzt Ihre Flügel auf, indem Sie Ihr linkes Knie aus der Kraft des Rumpfs vom linken Arm lösen und das Bein zum Himmel strecken. Das rechte Knie bleibt weiterhin auf dem Ellenbogen, der Fuß dreht sich nach oben. Bleiben Sie zu Beginn nur einen Atemzug lang in der Haltung und konzentrieren Sie sich darauf, beide Füße himmelwärts zu heben und den Kopf so leicht aufzusetzen, als ob Sie gleich losfliegen würden.

5  Mit einer Ausatmung beugen Sie das gestreckte Bein, legen beide Knie wieder aneinander und verlagern sich vom Kopf zurück auf die Hände. Aus dem seitlichen Kranich setzen Sie beide Füße wieder auf und kehren zurück in Tadasana. Anschließend üben Sie die andere Seite. 


Titelbild: Herr van Toll

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