Schwere Vorwürfe gegen Anusara-Gründer John Friend

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Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr ist die weltweite Yogagemeinde in Aufruhr versetzt worden. Nach dem kontrovers diskutierten Artikel in der „New York Times“ („Kann Yoga Ihren Körper zerstören?“) muss sich nun Anusara Yoga-Gründer John Friend gegen schwere Vorwürfe verteidigen, die sowohl seine Glaubwürdigkeit als weltweit bekannter Yoga-Guru gefährden, als auch seine Moral und Ethik anzweifeln.

Am Freitag, den 4. Januar 2012 wurde eine anonyme Website gelauncht, auf der schwerwiegende Vorwürfe gegen John Friend erhoben werden: So soll er sexuelle Beziehungen mit verheirateten Schülerinnen und Angestellten eingegangen sein, Screenshots von Skype-Konversationen sollen dies beweisen. Des Weiteren soll Friend Marihuana geraucht und Angestellte veranlasst haben, die Drogen für ihn zu transportieren. Zudem habe seine Firma Anusara Inc. versprochene Pensionsleistungen an Angestellte ohne deren Wissen und mithin illegal eingefroren.

Pensionsaffäre „ein Fehler“

Wer hinter www.jfexposed.com steht, ist bis dato nicht bekannt. Und auch wenn die Website mittlerweile nicht mehr aufgerufen werden kann, muss sich Friend nun erklären. In einem Brief vom 7. Februar wendet er sich an die Anusara-Gemeinde, ein beigefügtes Dokument soll zumindest die Vorwürfe bezüglich der eingefrorenen Pensionen widerlegen: Dies sei nicht in betrügerischer Absicht geschehen, sondern schlicht ein Fehler verwaltungstechnischer Natur. In einem Interview mit www.elephantjournal.com vom 8. Februar unterstrich Friend, wie leid ihm die ganze Angelegenheit tut: „Das Wichtigste, was ich an dieser Stelle sagen kann, ist, dass ich Fehler gemacht habe. Und doch war es nie meine Absicht, jemandem zu schaden.“

Seit der Veröffentlichung der Vorwürfe auf der anonymen Website tauchten im Netz jedoch weitere Dokumente auf, die die dort geschilderten Sachverhalte bestätigen: Erst im Dezember 2010 wurden die Angestellten von Anusara Inc. mündlich darüber in Kenntnis gesetzt, dass ihre versprochenen Pensionen bereits im Januar 2010 illegal, also ohne ihre Zustimmung, eingefroren worden waren. Dies geschah angeblich zum Zwecke der Erlangung eines Darlehens, mit dem das Unternehmen ausgebaut werden sollte und die Mitarbeiter laut www.yogadork.com „alle zu Millionären machen“ würde. Auf konkrete Auskünfte, was es mit dem Darlehen auf sich hat, warten die Betroffenen auch zwei Jahre später immer noch.

Im Dezember 2011 wurde von einem misstrauischen Angestellten das Arbeitsministerium der Vereinigten Staaten eingeschaltet, das den Vorgang zunächst als legal einstufte. Als am 4. Januar 2012 Benachrichtigungen über die eingefrorenen Pensionsleistungen rückwirkend zum 1. Januar 2010 versandt wurden, befand das Arbeitsministerium Anusaras Vorgehen als rechtswidrig und wies das Unternehmen an, die Pensionen erst zum 1. März 2012 einzufrieren. Dennoch besteht man seitens Anusara Inc. darauf, dass die ganze Angelegenheit „gut gemeint“ war.

Die Anusara-Aushängeschilder wenden sich ab

Dass bei Anusara Inc. intern etwas im Argen liegt, wurde schon Ende des letzten Jahres deutlich, als innerhalb einer Woche die drei bekanntesten Senior Anusara Teacher Elena Brower, Darren Rhodes und Christina Sell sich aus der Organisation zurückzogen. Friend wiegelte damals ab und zog Vergleiche mit seinem eigenen Rückzug aus dem Iyengar Yoga vor 14 Jahren: „Ich stehe mit allen dreien in Kontakt. Dies war ein Schritt, um ihre eigene persönliche Integrität zu wahren und die Integrität des Anusara Yoga. Alle drei Lehrer haben mit der Zeit ihren eigenen Stil entwickelt und wünschen sich nun, künstlerisch frei zu sein.“

Elena Brower, jahrelang Friends rechte Hand und Langzeit-Devotee, begründet ihren Abgang laut www.yogadork.com folgendermaßen: „Ich war lange Zeit auf der Suche und realisierte irgendwann, dass ich beunruhigt darüber war, dass sich meine Lehre weder mit den Abläufen im Anusara, noch mit dessen philosophischen Aspekten deckte. Ich wollte mehr, ich wollte wissen, wie ich mich zu Hause genauso wohlfühlen kann wie auf meiner Matte.“ Nun hat auch die Lehrerin Amy Ippolity das Boot verlassen.  Auf ihrem Blog begründet sie ihren Rückzug recht unverblümt damit, dass sie sich „nicht länger auf einer Linie mit der Leitung der Organisation fühlt“.

Wicca-Kult und „sexuelle Energie“

Von der „New York Times“ einst als „Yoga-Mogul“ gefeiert, sieht sich John Friend nun nicht nur mit Vorwürfen bezüglich fragwürdiger sexueller Beziehungen konfrontiert, angeblich folgt er mit seiner Organisation auch einer ebenso fragwürdigen okkulten Weltanschauung. Angeblich ist Friend Anhänger des neoheidnischen Wicca-Kultes und führt Anusara Inc. im Einklang mit dessen Überzeugungen. Die Website www.jfexposed.com zitiert dazu aus einem angeblichen Gespräch zwischen Friend und der Anusara-Lehrerin Laura Miller:”Wir haben unsere Liebe für Anusara Yoga geteilt, die eine Philosophie und Praxis ist, die sich mit Wicca in jeder Hinsicht vereinbaren lässt. Mit dieser gemeinsamen Grundlage, mehr Licht und Liebe in die Welt zu bringen, haben du und ich einen kleinen Zirkel gegründet, um unser Wissen und unsere Kraft dafür zu verwenden, unsere Vorsätze zu manifestieren. (…) Als Teil unserer Riten haben du und ich gemeinsam beschlossen, sexuelle bzw. sinnliche Energie in einer positiven und heiligen Weise einzusetzen, um die Wirksamkeit unserer Praxis aufzubauen. Das ist ein gewöhnliches Element in den meisten Wicca-Zirkeln.”

In Friends zweitem Brief vom 10. Februar teilte er seiner Gemeinde mit, sich nun mit seinen engsten Mitarbeitern über die Zukunft des Anusara Yoga zu beratschlagen. Es soll ein Gremium gegründet werden, das die Unternehmensleitung und ethische Ausrichtung von Anusara Inc. kontrolliert, das Unternehmen soll dadurch transparenter werden. Ob John Friend dem Unternehmen weiterhin vorstehen wird, bleibt abzuwarten. Dass er die Affäre unbeschadet überstehen wird, dessen scheint er sich jedoch sicher: „Ich werde als Person und Mitglied dieser wundervollen Gemeinschaft definitiv wachsen. Die höchste Sadhana ist Vergebung.“

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