Plastisch elastisch – Yoga im Museum

74

Mit ihrem Projekt „GuckGut“ bereichert Gabi Damianakis in München die Yogaszene um eine tolle Idee. Sie bietet in diversen Museen Yogastunden an, in denen man sich mit sich selbst und der ausgestellten Kunst beschäftigt.

Gabi, wie kamst du auf die Idee, Yoga im Museum anzubieten?
Inspiriert hat mich die Geschichte des Minotaurus, der, halb Mensch, halb Tier, eingeschlossen in einem Labyrinth lebt. Die komplexe Geschichte seiner langen Gefangenschaft und der Befreiung, die er mit dem Leben bezahlt, haben Parallelen zu unserem Leben. Er weiß nicht, wohin er gehört, er leidet. Könnte er anders leben? Könnte er die Geschichte ändern, wenn er seine Wahrnehmung ändert? Die griechische Mythologie ist eine wahre Schatzkiste für Yogis! Die Idee, in Museen Yoga zu machen, kam wie ein Frühlingsschauer, der alles gedeihen lässt. Es gab keinen konkreten Moment. Ich glaube, die Ideen schwirren im Universum herum und warten nur darauf, von jemandem
empfangen zu werden. Vielleicht war ich gerade spazieren, als ein solcher Ideenschauer unterwegs war. Den Regenschirm vergesse ich sowieso immer. „GuckGut“ heißt: Wände öffnen, sich befreien, gut hingucken, aufmerksam sein, Grenzen überwinden und frei werden. Wir werden durch unsere Kultur in unserem Denken und Verhalten geprägt. Das schließt auch die Nutzung der Museen ein. Wenn wir ein Bild von der Wand nehmen, beenden wir eine Geschichte. Wir sehen nur eine Wand. Ende. Hängen wir ein Bild auf, so öffnet sich der Raum und eine Reise beginnt. Das gleiche macht Yoga. Wir reisen in unser Innerstes und öffnen immer wieder neue Räume, wir werden an neue Grenzen geführt, die wir überwinden müssen, um frei zu werden.

Wie kann ich mir eine solche Stunde bei dir vorstellen?
Erst mal kommen wir an. Wir schließen die Augen und werden uns bewusst, wo wir sind. Durch den Atem beruhigen wir unsere Gedanken und entspannen den Körper. Das ist ein wichtiger Teil meiner Führung, die sanft vom Alltag und der Umgebung weg führt. Wie beim Tauchen verlassen wir eine Welt und begeben uns in eine neue Atmosphäre, still und konzentriert. Ich erzähle Einiges über den Künstler oder die Skulpturen und stelle dabei eine Verbindung zu uns und unserem Leben her. Vor verschiedenen Werken machen wir Asanas, die uns tiefer in das Werk hinein führen. Die Führung ist ein Experiment, ein Spiel, das inspiriert. Wir selbst werden zu einem Kunstwerk im Museum. Zum Abschluss meditieren wir und lassen das Erlebte nachwirken. Selbst wenn andere Museumsbesucher unterwegs sind, werden diese ganz still, weil sich eine sehr intensive Stimmung entwickelt.

Wohin soll die Reise gehen? Kannst du dir auch vorstellen, im Museum „geschlossene Stunden“ auf der Matte zu geben?
Die Villa Stuck öffnet exklusiv für uns Yogis. Wir haben die Räume für uns allein. Die Atmosphäre ist dort sehr elegant und extravagant. Es ist eine ganz besondere Gelegenheit und große Freude für mich, in solchen Räumen ein so experimentelles Projekt realisieren zu können. Die Matten werden vielleicht auch mal dabei sein, aber es geht besonders um Wahrnehmung. Dafür braucht man eigentlich keine Matte. Prinzipiell würde ich überall Yogasessions halten, am Hauptbahnhof genauso wie im Supermarkt! Wichtig ist für mich, eine Verbindung zum Ort und der Geschichte herzustellen.

Für wen sind die Yogastunden im Museum gedacht?
„GuckGut“ ist für jeden gedacht. Ob alt oder jung, die Haltungen sind nicht schwierig und jeder geht, soweit er kann, wie in jeder Yogastunde. Mitbringen sollte man Freude am Experimentieren – und auch mentale Flexibilität und ein guter Schuss Humor schaden sicher nicht. Die größte Freiheit ist es schließlich, wenn man über sich selbst lachen
kann.


gabi_yoga_museumGabi Damianakis wurde als Tochter einer deutschen Mutter und eines griechischen Vaters in Ost-Berlin geboren, kam als Kind in den Westen und hat über 20 Jahre in Italien gelebt. Heute wohnt sie in München, wo sie ihrer Kreativität freien Lauf lässt. Mehr Infos zu Gabis Projekten und die nächsten „GuckGut“-Termine unter:
www.gabi-damianakis.de