Marla Apt über Iyengar Yoga

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Marla Apt ist weltweit eine der jüngsten hochzertifizierten Iyengar-LehrerInnen. Sie unterrichtet in Los Angeles und bei bei internationalen Retreats. Erstmals in Deutschland zu Gast, trafen wir sie zu einem Gespräch über B. K . S . Iyengar, die Zukunft von Iyengar Yoga und ihren persönlichen YogaStil.

Du gehörst zur jungen Generation von Iyengar-Yogalehrern und bist bereits ein „Senior“. Wie funktioniert das?
Nun, ich habe einfach früh angefangen. Und dann hat mich mein Lehrer ermutigt, weiterzumachen, selbst zu unterrichten. Ich habe die Ausbildung gemacht, und ich glaube, ich war mit Anfang 20 die jüngste zertifizierte Iyengar-Yogalehrerin im Land. Es folgten die nächsten Level, so dass ich den Senior erreichte, noch ehe ich 40 war.

Du hast ein Jahr in Pune bei B. K. S. Iyengar studiert. Dein Unterrichtsstil ist aber ganz anders als seiner.
Als Lehrer müssen wir alle unsere eigene Stimme finden. Wir können niemanden imitieren. Ich kann nur von meinem Erfahrungs- und Entwicklungsstand her unterrichten und nicht von dem eines anderen. B. K. S. Iyengar war ein extrem kraftvoller Mensch, wild und feurig, mit einer unglaublichen Praxis. Selbst wenn er gebrüllt hat, war Liebe und Mitgefühl spürbar. Ich habe mich immer sicher gefühlt – und habe ihm vollkommen vertraut. Er sah unser Potenzial mehr als wir selbst, und er wollte, dass wir es verwirklichen.

Was verbindest du mit ihm?
Integrität, Ehrlichkeit, extreme Aufrichtigkeit mit sich selbst und mit seinen Schülern. Er beobachtete alles an sich ununterbrochen, jede Zelle seines Körpers, während er übte. Oft ignorieren wir körperliche Schmerzen, indem wir Asanas so ausführen, dass wir Schmerzen vermeiden. Iyengars Methode ist, uns zu helfen, alle Aspekte zu erkennen und keine zu verstecken: Es geht um Konfrontation. Man geht den Dingen auf den Grund. Und erkennt Zusammenhänge. Aus dieser Erkenntnis entsteht Freiheit, Iyengar nannte es „Licht auf Yoga“. Er sprach von den Schwarzen Löchern des Selbst, die durch Yoga erhellt werden.

Wie sieht die Zukunft von Iyengar Yoga aus?
Der Tod von B. K. S. Iyengar ist nicht nur ein großer Verlust für mich, sondern für die gesamte Yogawelt. Sein Wissensstrom ist versiegt, doch gleichzeitig hat er uns mehr gegeben, als wir vermutlich in unserer Lebensspanne aufnehmen können. Alles, was wir brauchen, tragen wir bereits in uns selbst. Durch Selbstbeobachtung gelangen wir zu Selbsterkenntnis. Ich habe einen Lehrer, der sagt: Jeder wird in Zukunft Iyengar Yoga machen, aber niemand wird es Iyengar Yoga nennen. Was ich nach dem Tod von B. K. S. Iyengar beobachtet habe, ist, dass Menschen mit Iyengar Yoga beginnen, die nie zuvor Yoga gemacht haben. Iyengar Yoga steht für bestimmte Prinzipien wie Alignment (Ausrichtung), Sequenzing (bestimmte Abfolge von Asanas) und den Einsatz von Props (Hilfsmitteln), und es ist hilfreich, diese zu benennen, gerade weil es so viele verschiedene Yogarichtungen und -stile gibt. Ich sehe im Iyengar Yoga großes Potenzial für die Zukunft. Iyengar selbst war sehr experimentierfreudig und offen, hat uns die Prinzipien des Lernens vermittelt und als Schüler motiviert, selbst zu forschen und auszuprobieren.


Das gesamte Interview mit Marla Apt finden Sie im Heft 02/2015.