Kirtan mit Geschmack

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„Du kannst ein Mädchen aus Italien holen, aber nicht Italien aus einem Mädchen“, schmettert Spring Groove mit kraftvoller, aber weicher Stimme, lacht laut und wirft ihre blonden Dreadlocks in den Nacken. Danach beisst sie herzhaft in ein Stück Pizza. Derzeit lebt die gebürtige Amerikanerin in Italien, doch zu hause ist der ehemalige Broadway-Star auf der Bühne.

Foto: Wari Om

Spring, hast du Pläne für ein neues Album?
Zusammen mit Erhard Dengl möchte ich ein kleines Album herausbringen: Ein Welt-Folk-Album, weil ich so viele unterschiedliche Interessen habe. Ein wenig wie in Ani DiFrancos Lied „32 Flavors“, denn so fühle ich mich: Ein bisschen Broadway, ein bisschen Jam-Band, ein bisschen Mantra und Folk. Ein wunderschönes Rezept. Ich könnte mich selbst nicht in eine Schublade stecken – für mich ist das zu begrenzt.

Spiegelt sich diese Einstellung auch in der Auswahl der Künstler wider, mit denen du arbeitest?
Ich habe das Gefühl, es ist so ein Yogiding, dass wir höhere Erwartungen an unsere Mitmenschen und deren Verhalten haben. Jedenfalls habe ich diesen Anspruch – und bin deshalb schon öfter enttäuscht worden. Heute bin ich glücklicherweise in der Lage, die Menschen auszuwählen, die die richtige Einstellung haben und mit denen es sich energetisch gut anfühlt. Auch, wenn es dann am Ende weniger Geld gibt. Dafür ist es eben „Shanti“, wir gehen respektvoll miteinander um und halten unsere Versprechen aneinander. Ich finde das sehr wichtig.

Es ist schön zu sehen, dass du nach deiner ersten erfolgreichen Karriere am Broadway auch in der Yogawelt schnell berühmt wurdest!
Das ist sehr nett von dir! Klar, man kann sagen, ich hätte mein Leben verändert und das Genre gewechselt, aber es ging immer um Musik. Ich kam schon trällernd aus dem Mutterleib und wusste immer, was ich einmal werden wollte. Meine Eltern haben als Lehrer oft ermäßigte Tickets für neue Broadway-Shows bekommen und uns Kinder mitgenommen. Aus diesem Grund wollte ich bei diesen Shows singen – wären meine Eltern allerdings Rocker gewesen, hätte ich bestimmt mit 13 Jahren eine Rock’n’Roll-Band gegründet (lacht).

Wie kamst du schließlich zum Kirtan?
Ich hatte bereits zehn Jahre lang Asanas bei Samantha Mehra praktiziert, als sie mich eines Tages fragte, ob ich ihr Gesangsunterricht im Austausch gegen Yogaunterricht geben könnte. Mir kam das gelegen, da ich damals mehrmals pro Woche ins Studio ging und es allmählich teuer wurde. Sie sang ganz gut, aber nicht professionell, also fragte ich sie nach ihrer Intention und sie meinte, sie wolle gerne Kirtan singen. Dabei rollte sie das „R“, was es für mich noch exotischer machte. Ich hatte keine Ahnung, was das war! Sie war verwundert, dass ich als begeisterte Yogini und noch dazu als Sängerin keinen Kirtan kannte. Also schickte sie mich zu einem und ich war vom ersten Augenblick an begeistert, weil es für Menschen dadurch so einfach ist, die Kraft der Musik zu erfahren. Und natürlich wollte ich als Musikerin selbst anleiten! Als es soweit war, öffneten sich plötzlich sämtliche Türen. Einmal spielte ich in Santa Monica auf der Straße Gitarre und ein begeisterter Zuhörer bat mich, an seinem wöchentlichen Kirtan teilzunehmen und sogar auf seiner CD zu singen. Bald darauf lernte ich während eines Abendessens bei Samantha Dave Stringer kennen und wir jamten zusammen. Als Dave später Samantha fragte, ob sie für seine Tour durch Europa einen Sänger vor Ort wüsste, passte das gut, denn ich arbeitete gerade in Europa. Seit damals hat der Kirtan in meinem Leben einfach nicht mehr aufgehört.

Wie würdest du deine Beziehung zu Dave Stringer beschreiben?
Ich denke, wir können zusammen ganz besonders performen, denn wir haben gewisse Ähnlichkeiten, ergänzen und bestärken uns. Wir singen jetzt schon eine längere Zeit zusammen, sind gemeinsam gewachsen und schon bei unserer ersten gemeinsamen Show 2006 gab es eine besondere, freundschaftliche Chemie zwischen uns.

Welche kulturellen Unterschiede bemerkst du, wenn du auf Tour bist?
Yogis aus mediterranen Ländern fällt es – pauschal gesprochen – leichter, sich zu öffnen und mitzusingen. Ich finde es aber immer besonders schön, auf Konzerte nach Deutschland zu kommen: Am Anfang kommen die Menschen hier etwas verschlossen an und sind später so befreit, wenn sie wieder nach Hause gehen. Wenn ich sehe und fühle, dass sie loslassen, ist das wie Medizin für mich. Wenn andere mit einem singen, gibt einem das eine Art Erlaubnis, sich zu entfalten. Marianne Williamson sagt so schön: „Es ist nichts erleuchtend daran, wenn wir uns zurückhalten, damit sich andere um uns herum nicht verunsichert fühlen. Wir dürfen alle leuchten wie Kinder.“ Schließlich sind wir hier, um gegenseitig unser Feuer zu entzünden. Asanas sind cool und sicher transformierend, aber der Weg des Bhakti ist so viel schneller. Es fühlt sich wie ein sofortiges Transportmittel zum Höheren an…

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