8 Himmlische Hüftöffner im Thai Yoga

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Thai Yoga ist eine alternative Methode, um Flexibilität in unsere Hüften zu bringen. Diese sanfte Form von passivem Yoga ermöglicht ein Loslassen auf einer tiefen Ebene. Das Beste daran: Thai Yoga Bodywork ist sowohl für den Gebenden als auch Für den Empfangenden mit keinerlei Anstrengung verbunden.

Welcher Yogi kennt es nicht, das wunderbare Gefühl nach einer hüftöffnenden Übungspraxis? In diesem Teil unseres Körpers speichern wir viele alte Spannungen und unverarbeitete Emotionen. Darum liebt man sie entweder oder man fürchtet sie: Hüftöffnende Haltungen können körperlich und emotional sehr intensiv sein und zählen eher zu den fortgeschrittenen Positionen.

Wenn wir von hüftöffnenden Übungen sprechen, denken die meisten von uns an die Außenrotation des Oberschenkels, wie etwa in der Taubenhaltung. Doch das ist nur eine Variante. Da die Hüfte ein
Kugelgelenk ist, sind vielfältige Bewegungen möglich. Für den Bewegungsapparat genauso wichtig sind Innenrotation und Flexibilität in den Hüftbeugemuskeln (zum Beispiel Psoas major).

Säße man – wie noch heute viele Menschen in Asien – häufig auf dem Boden, dann hätte man im Alter wahrscheinlich weniger Hüftprobleme. Doch überwiegend sitzende Tätigkeiten und mangelnder Gebrauch des komplexen Bewegungsapparates der Hüfte führen dazu, dass viele Menschen im Westen in diesem Bereich verspannt und muskulär verkürzt sind. Dies kann zu Schmerzen – beispielsweise im Bereich des unteren Rückens – führen. Auf energetischer Ebene entsteht durch Spannungen in der Hüfte eine Blockade. Wir fühlen uns vielleicht einfach nicht im Fluss, Kreativität und Sexualität (die Hüften stehen in Verbindung mit dem zweiten Chakra) werden begrenzt und der eingeschränkte Bewegungsspielraum verursacht ein allgemeines Unwohlsein.

Die folgende Übungssequenz kann uns dabei helfen, das angenehme Gefühl frei beweglicher Hüften wiederzuerlangen. Das Hüftgelenk wird mobilisiert und die dazugehörigen Muskeln und Rotatoren werden in die wichtigsten Bewegungsrichtungen gedehnt. Das löst Spannungen, verbessert die Durchblutung und hat positive Auswirkungen auf Schlaf und Verdauung.

TIPP: Die Übungen können einzeln oder auch als Sequenz geübt werden. Selbstverständlich haben Yogalehrer die Möglichkeit, sie in den Einzel- oder Gruppenunterricht zu integrieren. Vor einem professionellen Einsatz empfiehlt es sich jedoch, die entsprechenden Techniken erst einmal für sich zu üben. In jedem Fall sollten die angegebenen Kontraindikationen beachtet werden.

 

INFO

Ursprung und Wirkung der Yoga-Thaimassage 

Yoga ist eine der drei Wurzeln der Yoga-Thaimassage (neben Ayurveda und der Tradionellen Chinesischen Medizin). Diese uralte Heil- und Berührungskunst kommt nicht – wie man annehmen könnte – aus Thailand, sondern aus Indien. Der Legende nach wurde sie 500 Jahre vor Christus vom Leibarzt des Buddha, Dr. Shivago Komarpaja, begründet und gelangte erst später über Umwege nach Thailand.

Thai Yoga wirkt auf unterschiedlichen Ebenen: Es bewegt und mobilisiert nahezu alle Gelenke und beeinflusst Atmung, Lymphsystem und Durchblutung positiv. Der Klient wird in eine Tiefenentspannung gebracht, die die Selbstheilungskräfte aktiviert und dazu führt, dass das vegetative Nervensystem vom sympathischen Modus (Handlungszustand) in den parasympathischen Modus (Ruhezustand) schaltet.

Voraussetzung dafür, dass dieser Entspannungszustand eintreten und Berührung wirken kann, ist ein geschützter Raum, der durch Achtsamkeit und die geistige Haltung des Praktizierenden entsteht. So ist es wichtig, bei allen Berührungen präsent zu sein und sich mit der Qualität von liebendem Mitgefühl (thailändisch: Metta) zu verbinden. Man richtet sich vollkommen auf das Wohlergehen des anderen Menschen aus und stellt alle Eigeninteressen zurück. Das spürt der Klient und kann sich entspannen.

Grundprinzipien der Yoga-Thaimassage

1. Achtsamkeit:

Kommen Sie zuerst bei sich selbst an. Finden Sie mit geschlossenen Augen einen Moment der Stille und den Wunsch, Ihrem Partner etwas Gutes zu tun. Diese Intention ist mindestens so wichtig wie die eigentliche Technik. Bleiben Sie während der Massage in Kontakt mit dem Empfangenden.

2. Druckintensität langsam steigern:

Alle Techniken sollten langsam und bewusst ausgeführt werden. Zunächst mit einem sanften Druck oder Stretch beginnen; bei mehreren Wiederholungen wird die Druck- oder Stretch-Intensität behutsam gesteigert.

3. Körpermechanik:

Nutzen Sie Ihr Körpergewicht, nicht Ihre Muskelkraft! Für eine optimale Kraftübertragung sind die Arme bei den meisten Techniken gestreckt.

 

Bildschirmfoto 2015-07-07 um 09.40.551 Baumposition

Bringen Sie ein Knie des Empfangenden in die Baumposition. Beginnen Sie bei Männern mit dem rechten Bein, bei Frauen mit dem linken. Wichtig: Um das Kniegelenk zu schützen, polstern Sie das Bein von unten mit einem Kissen – insbesondere bei Menschen, die nicht so flexibel sind. Legen Sie die Handballen zusammen und lehnen Sie vorsichtig Ihr Gewicht hinein. Wandern Sie von der Hüfte zum Knie (hier sind Hebel und Stretch am größten) und zurück.

Wirkung: Dehnt die Adduktoren, komprimiert die Abduktoren, öffnet die Hüfte nach außen.

 

2. Dehnung nach innen2 Hüftdehnung nach Innen

Stellen Sie den Fuß des Empfangenden auf. Drehen Sie sich zur Seite und fixieren Sie mit Ihrem Fuß den Fuß Ihres Partners. Der Fuß des Partners bleibt die ganze Zeit am Boden (kein liegender Twist). Sie halten eine Hand am Knie des Partners. Die andere Hand drückt mit dem Handballen auf das aufgestellte Bein und schiebt es so zum gegenüberliegenden Oberschenkel, dabei wandern Sie mit Handballendruck vom Knie zur Hüfte und wieder zurück.

Wirkung: Löst Spannungen auf der Außenseite des Oberschenkels, fördert Beweglichkeit in der Lendenwirbelsäule, lindert Ischiasbeschwerden.

Kontraindikationen: Schwangerschaft.

 

3. Bauch- und Psoas-Stretch3 Bauch- und Psoasdehnung

Fixieren Sie mit Ihren Knien das Fußgelenk des Empfangenden und verschränken Sie Ihre Finger über seinem Knie. Mit der Ausatmung des Partners lehnen Sie sich mit geraden Armen nach hinten und nutzen dabei Ihr Körpergewicht. Mit der Einatmung lösen Sie den Stretch. Mit der Ausatmung wiederholen Sie die Bewegung und vertiefen sie eventuell sanft. Drei bis viermal wiederholen.

Wirkung: Dehnt den Hüftbeuger und den Bauchraum, verbessert die
Verdauung.

 

4. Hüftstretch4 Hüftdehnung nach vorne

Kommen Sie in einen Ausfallschritt und platzieren Sie den Fuß des Partners in Ihrer Leiste. Während der Ausatmung des Empfangenden sinken Sie tiefer in den Ausfallschritt und dehnen das gebeugte Bein des Partners mit dem Knie Richtung Achselhöhle. Die Hand kann das Knie des Partners führen, doch der Druck geht vom eigenen Becken aus. Drei bis vier Wiederholungen.

Wirkung: Dehnt Beugemuskeln in Knie und Hüfte, fördert die Flexibilität im Hüftgelenk, dehnt leicht die Adduktoren, wirkt einem Hohlkreuz entgegen.

Kontraindikationen: Schwangerschaft, akute Knieschmerzen.

 

5. Helikopter5 Helikopter

Eine Hand hält den Fuß, die andere Hand unterstützt die Kniekehle. Damit führen Sie das Knie abwechselnd nach außen und innen, um die Hüfte zu mobilisieren und zu lockern. Bei dieser Technik passiert es leicht, dass der Partner versucht, mitzuhelfen. Laden Sie den Empfangenden ein, komplett passiv zu sein.

Wirkung: Mobilisiert den Bewegungsapparat, Gegenposition zur Hüftdehnung, unterstützt die Fähigkeit, sich hinzugeben und loszulassen.
Anschließend die Techniken 1 bis 5 am anderen Bein wiederholen.

 

6. Beinstreckung6 Beinstreckung

Kommen Sie zum Stehen und halten Sie beide Fersen des Empfangenden. Die eigenen Arme dürfen dabei ganz entspannt und locker nach unten hängen. Mit Ihrer Ausatmung lehnen Sie sich mit Ihrem Körpergewicht zurück und bringen damit die Beine des Partners in die Streckung, mit Ihrer Einatmung verlagern Sie Ihr Gewicht zurück zur Mitte. Drei bis viermal wiederholen.

Wirkung: Streckt Beine und Wirbelsäule, der Partner wird mittig in seiner Körperachse ausgerichtet.

 

7. Schmetterling7 Schmetterling

Aus Übung 6 grätschen Sie die Beine des Empfangenden und stellen Ihre Füße an seinen Rumpf. Heben Sie das Becken durch Zug an den Füßen an und beugen die Knie, so dass die Fußsohlen des Partners zueinander kommen. Mit der Ausatmung des Empfangenden lehnen Sie vorsichtig Ihr Gewicht nach unten und dehnen damit die Füße Richtung hinter den Kopf. Mit der Einatmung halten Sie die Dehnung, mit der Ausatmung vertiefen Sie sie. Der Empfänger entscheidet, wie intensiv die Dehnung maximal sein darf. Drei bis viermal wiederholen.

Wirkung: Dehnt die Adduktoren und den großen Gesäßmuskel, öffnet die Hüfte nach außen, aktiviert die Verdauung und stimuliert die inneren Organe.

Kontraindikationen: Schwangerschaft, Bluthochdruck, Herzprobleme.

 

8. Busfahrer a)8 Busfahrer

Halten Sie weiterhin die Füße des Empfangenden, treten Sie einen Schritt zurück und beugen Sie die Knie des Partners nach außen. In dieser Position schwingen Sie mit dem eigenen Becken nach links und rechts und lockern dadurch die Hüften Ihres Partners.

Wirkung: Mobilisiert und lockert die Hüftgelenke, Gegenposition zu den zuvor teilweise intensiven Dehnungen.

 

Bildschirmfoto 2015-07-07 um 10.04.35Abschluss

Setzen Sie sich ans Kopfende hinter den Partner, halten Sie für einen Moment seinen Hinterkopf in Ihren Händen und kommen Sie zur Ruhe. Geben Sie dem Empfangenden das wunderbare Gefühl, unterstützt und getragen zu sein! Wenn es sich richtig anfühlt,
lösen Sie nach einiger Zeit den Kontakt. Indem Sie die Hände vor Ihrem Herzen aneinanderlegen, beenden Sie die Sitzung und bedanken sich bei Ihrem Partner.

 


Der Autor Tobias Frank ist Thai-Yogapraktizierender und bietet Thai-Yoga-ausbildungen in ganz Deutschland an. Mehr Informationen über ihn und seine Arbeit unter: www.thaiyoga.de