Dr. Bauhofer über die Suche nach dem Selbst

62

Wer bin ich? Woher komme ich? Und wohin gehe ich? Dr. Ulrich Bauhofer, einer der führenden Ayurveda-Spezialisten Europas, versucht, Antworten auf die wichtigsten Fragen des Lebens zu finden …

Als Arzt ist meine Domäne die Gesundheit. Was sonst, fragen Sie vielleicht. Und doch ist es für einen Mediziner nichts Selbstverständliches, sich mit Gesundheit zu befassen. Ärzte beschäftigt nämlich nur das Pathologische, die Krankheit. Über Gesundheit wissen sie eigentlich fast gar nichts – zumindest von ihrer Ausbildung her. Nun bin ich kein gewöhnlicher, sondern ein ayurvedischer Arzt und im Ayurveda steht Gesundheit an erster Stelle. Ayurveda ist die älteste Medizin der Menschheit und bedeutet „das Wissen vom Leben“.

Das Delphi-Prinzip
„Gnothi se authon“, erkenne dich selbst, steht am Apollo-Heiligtum in Delphi geschrieben. Das interessiert Philosophen, aber doch keine Mediziner, so könnte man denken. Irrtum. Für den ayurvedischen Arzt ist dieser Satz von großer Bedeutung.

Er besitzt nämlich einen vitalen medizinischen Hintersinn. „Wer bin ich?“ Diese Frage stellt sich unser Organismus fortwährend und nur deshalb überlebt er. Wie sonst könnte er Fremdes erkennen, das ihn bedroht? Viren, Bakterien, Pilze, Parasiten oder entartete Zellen, die ihn jeden Moment attackieren oder in ihm entstehen. Der Körper verfügt über komplexe Regulationsmechanismen, die sein Selbst verteidigen. Die entscheidende Rolle spielt dabei sein Immunsystem. Jede Sekunde erzeugt es 1,5 Millionen weiße Blutkörperchen, 100 000 Lymphozyten und einige Billionen Abwehrmoleküle oder Antikörper, um sich gegen all das zu wehren, was die Integrität seines Selbst gefährdet.

Nur weil sich unser Körper jeden Augenblick fragt: „Wer bin ich?“, hält er sich am Leben. Die Natur hat ihm diese Frage als eine Überlebensstrategie eingepflanzt. Und wenn ihm die Antwort darauf nicht mehr einfällt, wenn er sie vergessen hat, dann steht es schlecht um sein Weiterbestehen.

Swasthya
Das Sanskrit-Wort Swasthya – Gesundheit oder wörtlich „im Selbst ruhen“ – erklärt, wie der Körper sich immer wieder auf sich selbst zurückbesinnt, sich fortwährend an seine genetische Identität erinnert, um sich zu erhalten. Selbsterkenntnis hat also offensichtlich etwas mit Gesundheit zu tun – zumindest auf der körperlichen Ebene.

Das Unternehmen Mensch
Gesundheit beschränkt sich aber nicht auf den Körper allein, sie hat nicht nur nach der Definition der Weltgesundheitsorganisation auch eine geistige und seelische Dimension. Trotzdem verstehen wir uns selbst zunächst als unseren Körper, wir identifizieren uns mit ihm und definieren uns über ihn. Fälschlicherweise …

Wenn wir aber unser Selbst in den abstrakten Sphären des Geistes und der Seele verstehen wollen, das nicht-materielle, nicht-physische Selbst, das Selbst, das wir nicht mit Hilfe der Molekularbiologie beschreiben können, dann hilft uns ein klareres Verständnisdes Körpers zunächst weiter. Wir empfinden ihn als ein statisches Gebilde. Doch das ist eine Sinnestäuschung. Der Körper besteht aus 100 000 Milliarden Zellen, 15 000-mal mehr als Menschen auf der Erde leben. Aus einer einzigen dieser Zellen hat sich der Organismus innerhalb von neun Monaten herausdifferenziert. Schritt für Schritt, mit perfekter Präzision ist Glied für Glied, Organ für Organ gewachsen. Zum Beispiel verfügt unser Nervensystem am Ende seiner Entwicklung über 1000 Milliarden hochspezialisierter Zellen, sogenannter Neuronen. In den Streitkräften unseres Immunsystems kämpfen über 100 Milliarden Lymphozyten sowie 100 Trillionen Antikörper. Ein wahres Kunstwerk. Geschaffen vom Leben.

Den vollständigen Artikel finden Sie im Sonderheft 06 „Dein Yoga“


Der Verfasser, Dr. med. Ulrich Bauhofer, ist Arzt, Autor und Lehrer für Transzendentale Meditation. Vor über 30 Jahren begann er als erster westlicher Mediziner, die Heilkunde in Indien zu lernen. Er hat eine Praxis in München, hält international Vorträge und Seminare und ist Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Ayurveda. (www.drbauhofer.de)

„Gesundheit bedeutet, in sich selbst Ruhe gefunden zu haben.“