Ist Yoga Frauensache?

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Laut einer Studie des Berufsverband der Yogalehrenden in Deutschland e.V. (BDY) üben in Deutschland 2,6 Millionen Menschen Yoga. Darunter sind 6 Prozent der deutschen Frauen, aber nur 1 Prozent der Männer. Das belegt, was man in jedem Yogastudio erleben kann: Yoga ist heute vor allem Frauensache.

Von Guru-Männern zur Frauendomäne
Kaum jemand erinnert sich noch daran, dass es über viele Jahrhunderte hinweg vom Guru ausschließlich an seine mit ihm klösterlich zusammenlebenden männlichen Schüler weitergegeben wurde. Erst im frühen 20. Jahrhundert, im Zusammenhang mit der Renaissance des Hatha Yoga, wurden in Indien auch Schulen eröffnet und offene Kurse eingerichtet. Und erst in diesem Rahmen konnten Lehrer wie Sivananda und Krishnamacharya überhaupt damit beginnen, auch Frauen zu unterrichten. Sie taten es zunächst durchaus widerwillig, wie Indra Devi, zugleich die erste westliche und weibliche Schülerin Krishnamacharyas, in ihrem Buch „Durch Yoga jugendfrisch“ schildert.

Zunächst war die Mehrheit der bekannten Yogalehrer noch männlich. Man denke etwa an B.K.S. Iyengar, an Patthabi Jois, Vishnudevananda, André van Lysebeth, Lucien Ferrer oder Boris Sacharow. Doch gerade die weiblichen Protagonistinnen leisteten eine unglaubliche Pionierarbeit, als sie sich Yoga zu eigen machten: Sie befreiten die Praxis von ihrer asketischen Härte und formten aus einem meditationsvorbereitenden Drill eine pragmatische Unterstützung für mitten im Leben stehende Menschen. Was genau an dieser Praxis sich speziell an Frauen richtete, welche Modifikationen im Hinblick auf weibliche Körper notwendig waren und worin überhaupt das spezifisch Weibliche am Yoga liegt, das thematisierten die frühen Yogameisterinnen erstaunlich wenig. Sie begriffen Yoga als ihre persönliche Berufung – und die hatte für sie offenbar nichts mit dem Geschlecht zu tun.

Swami Vivekananda, der mit seiner Rede vor dem Weltkongress der Religionen 1893 einen wichtigen Startschuss für die Beschäftigung mit Yoga im Westen gegeben hat (und der vor der Reise die Zustimmung seiner Lehrerin Sarada Devi einholte), gibt dieser Sichtweise recht:

„Die Seele hat kein Geschlecht, sie ist weder männlich noch weiblich. Der Unterschied besteht nur in den Körpern, und ein Mensch, der die Verwirklichung der Seele erlangen möchte, kann sich nicht zugleich an Geschlechtsunterschieden festhalten.“

Mainstream versus Tradition
Doch von der Verwirklichung der Seele ist ein Großteil der Yogaübenden zunächst weit entfernt. Im Vordergrund standen schon früh (und stehen vielfach bis heute) positive „Nebenwirkungen“ wie Gesundheit und Entspannung. Einige Yoga-Pionierinnen setzten ganz unverkrampft auch auf den positiven Effekt, den Yoga für die Schönheit hat. Indra Devi zum Beispiel ging schon 1955 eine Zusammenarbeit mit dem Kosmetikkonzern Eli-zabeth Arden ein.

Schon bald wurde Yoga im Westen angepriesen als Schönheitselixir, Geburtsvorbereitungsmaßnahme und Hormon-Boost für die Wechseljahre – bis zu dem Punkt, an dem es für viele Männer ein ähnlich abseitiges Hobby zu sein schien wie etwa Aerobic.

Yoga und Körperkult
Spannend bei dieser „Wiederentdeckung“ des Körpers ist, dass viele der Yoga-Pionierinnen Künstlerinnen waren: Tänzerinnen (wie Swami Sivananda Radha), Schauspielerinnen (wie Indra Devi) oder Bildhauerinnen (wie Elisabeth Haich) nutzen den Körper als Ausdrucksmittel. Andere Künstlerinnen fühlten sich davon angezogen: Nachdem Indra Devi 1947 am Sunset Boulevard in Los Angeles ihr erstes Studio eröffnete, gehörten die Hollywood-Schauspielerinnen Gloria Swanson, Greta Garbo, Jennifer Jones, Olivia de Havilland und vermutlich auch Marilyn Monroe zu ihren Schülerinnen – allesamt machtvolle Ikonen für eine neue, weibliche Yogabewegung.

Prominente weibliche Vorbilder prägten auch in den kommenden Jahrzehnten häufig das Bild von Yoga und steigerten seine Popularität. Spätestens seit den 1970er-Jahren trat es – auch dank verschiedener Fernsehsendungen wie etwa „Yoga für Yeden“ mit Kareen Zebroff im ZDF – seinen Siegeszug auf heimischen Schaffellmatten an. In den 80er- und 90er-Jahren wiederum motivierten Madonnas Ashtanga-gestählte Oberarme so manche Yogakarriere.

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Den vollständigen Artikel „Die First Ladies des Yoga“ finden Sie im Heft 39. Auch im aktuellen YOGA JOURNAL berichten wir in unserer Serie „Yoga-Pionierinnen“ über Frauen, die Yoga in Deutschland geprägt haben.