FIVA im Interview über Yoga und „was das Herz hebt“

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Nina, erinnerst du dich noch, welche Erfahrung du in deiner allerersten Yogastunde gemacht hast?
Ich glaube, dass ich vor allem Mut erfahren habe. Wenn man sich in Haltungen begibt, die sehr viel Energie liefern, selbst wenn es nur die einfachen Krieger sind, kommt etwas, was das Herz hebt. Herzöffnungen bedeuten Mut, aufrecht Stehen und für Dinge einzustehen. Das vermittelt mir Yoga. Jedesmal.

Wie und warum bist du zum Yoga gekommen?
Eigentlich bin ich ein Kind des Aerobic, das war in den 1980er-Jahren ganz groß. Ich habe aber immer blöd gefunden, dass die Musik dabei so laut ist. Ich verstehe ja, dass man sich da abarbeiten kann und dass das auch für die Muskeln gut ist. Aber als ich mich mal völlig verschwitzt mit 140 anderen Frauen im Spiegel sah, war klar: Nö! Stattdessen habe ich eine Yogastunde ausprobiert. Ich habe sofort gemerkt: Das ist wie für meinen Körper gemacht.

Was gibt dir Yoga? Warum übst du?
Ich lerne mich dadurch immer besser kennen. Durch das tägliche Üben merke ich, wie ich ganz anders durchs Leben gehe. Das meine ich wörtlich. Wie ich krasser wahrnehme, wie und wo ich gerade stehe. Ich arbeite mit Yoga auch auf der hormonellen Ebene, für den Kreislauf und für verschiedene Organe. Und ich merke, dass es sich auch mental auf mich auswirkt.

Was genau passiert auf der mentalen Ebene?
Wenn ich merke, dass eine Übung, die ich sonst immer kann, an einem Tag überhaupt nicht geht, bewirkt das bei mir sehr viel. Weil ich sehe, dass es nicht schlimm ist, diese Übung heute nicht zu können. Diese Erfahrung kann ich auf andere Dinge übersetzen: Es ist nicht schlimm, wenn ich an manchen Tagen schlechte Laune habe oder sensibler bin. So ist das dann halt, ich kämpfe nicht dagegen an. Das ist für mich der Grund, Yoga zu machen, zu spüren, wie es mir heute körperlich und geistig geht. Innehalten in dem ganzen Wahnsinn.

Welche Rolle spielt Yoga in deinem Leben als Künstlerin?
Der Prozess beim Schreiben ist ja, dass man sich erst einmal grundvertraut. Man hat zunächst eine Idee, eine Ahnung. Wenn du eine Geschichte anfängst, weißt du bei Satz drei noch nicht, ob man das dann auch lesen kann oder ob es vielleicht blöd ist. Man muss sich aus der Erfahrung und aus dem Talent heraus vertrauen, einen gewissen Gleichmut entwickeln und ganz bei sich bleiben. Dann entsteht ein Prozess, in dem ich mich nur noch darauf konzentrieren kann. Dazu kommt auch diese Selbstliebe, wo man sagt: „Ich lasse dich jetzt mal völlig vorurteilslos schreiben. Dann werden wir am Schluss schon sehen, was dabei rumkommt.“ Dieser Prozess hat etwas sehr Meditatives.

Wie wichtig ist die Yogaphilosophie für dich?
Mit der Philosophie habe ich mich nicht beschäftigt. Yoga wirkt ja nicht, wenn man sagt, dass es wirkt, sondern wenn man es macht.


Fiva lebt teilweise in Wien, wo sie beim Radio-Sender FM4 die Show „Fivas Ponyhof“ moderiert. Witzig, wortgewaltig und weise geht sie vom 7. bis 15. Oktober 2015 mit ihrer Band auf Tour.

Nina „Fiva“ Sonnenberg ist Jahrgang 1978, Münchnerin, Rapperin, Moderatorin des ZDF Kulturpalasts, Autorin – und begeisterte Yogini.


 

Das gesamte Interview finden Sie im YOGA JOURNAL 5/15.