Roland Jensch: “Wenn sich Yogis treffen, wird es oft kompliziert.”

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In unsere Online-Serie “6 Fragen an…” stellen wir bekannten Yogalehrern, Yoginis und Yogis Fragen zu den Themen Liebe, Sex, Herzschmerz, der Yoga-Welt, Lebenserfüllung und Selbsterkenntnis. Heute antwortet Roland Jensch, begeisterter Vinyasa Yogalehrer, auf unsere 6 Fragen. Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen und hoffen, dass Sie die Antworten zum Schmunzeln bringen oder aber Ihnen eine Inspiration für Ihre eigene Yoga-Praxis oder Lebenseinstellung bieten können.
  1. Wenn du Hals über Kopf das Land verlassen müsstest, welche drei Dinge würdest du mitnehmen?
    Hm… Vielleicht ist diese Frage gar nicht so abwegig. Aber ehrlich gesagt weiß ich es nicht. Als guter Yogalehrer müsste ich jetzt wahrscheinlich so etwas sagen wie Yogamatte, Mala und die Baghavad Gita oder so. Aber eigentlich wäre mir ein Buch von Jack Kerouac grad viel lieber. Und ich persönlich brauche auch nicht unbedingt eine Matte um zu üben. Ich denke, ich packe spontan, wenn es soweit ist.
  2. Du bist tätowiert. Verrätst du uns, was deine Tattoos bedeuten?
    Tattoos haben für mich etwas mit Rebellion zu tun: Ich glaube, dass wir heute viel zu wenig rebellisch sind und Dinge lieber stillschweigend akzeptieren, anstatt selbst die Initiative zu ergreifen. Mein erstes Tattoo habe ich mit 17 machen lassen. Da war dieser Aspekt definitiv vorrangig. Heute drückt das Tätowiert-Sein für mich nach wie vor ein Selbstverständnis aus, das vor allem auf der eigenen Freiheit basiert. Auch wenn Tattoos mittlerweile weitgehend salonfähig geworden sind, liegt für mich darin die persönliche Freiheit, mich nicht an gesellschaftliche Werte und Normen anpassen zu müssen. Natürlich geht das auch ohne Tinte unter der Haut, aber ich fühle mich sehr wohl damit und sehe darin auch einen Lifestyle, der zu mir passt.
  3. Was möchtest du unbedingt noch einmal erleben/tun?
    Ich fühle mich sehr zur Natur hingezogen. Ich habe vor kurzem eine Dokumentation über einen Mann gesehen, der ins Yukon-Territorium im Norden Kanadas ausgewandert ist. Er lebt dort allein in einer kleinen Blockhütte ohne Strom und fließend Wasser. Mitten in der Wildnis und vor allem fernab der Zivilisation. Bis zur nächsten kleinen Siedlung ist es eine Reise von mehreren Tagen. Befestigte Straßen und Nachbarn gibt es in einem Radius von mehr als einem Tagesmarsch nicht… Muss es nicht großartig sein, in Einheit mit der Natur zu leben und sich als ein lebendiger Teil von ihr zu fühlen? Ich meine nicht bloß die theoretische Idee dahinter, sondern die gelebte Realität. Solche Szenen wecken tatsächlich eine große Sehnsucht in mir und ich hoffe, eines Tages den Mut zu diesem Schritt zu haben – zumindest für eine Weile.
  4. Vervollständige den Satz: Wenn sich Yogis treffen, dann…
    …wird es oft kompliziert. Viele Yogapraktizierende bringen ihre Meinungen mit, ihre Ideen und Vorstellungen und alle meinen zu wissen, was richtig ist. Iyengar vs. Ashtanga. Vinyasa vs. Sivananda. Jivamukti vs. den Rest der Welt oder der Rest der Welt vs. Jivamukti: Oft entbrennt ein regelrechter Wettkampf, ein Kräftemessen. Wenn es nicht um die abgefahrenere Asana, das perfekte Alignment oder den optimalen energetischen Fluss geht, dann darum, wie yogische Lebensführung auszusehen hat. Was für ein Quatsch! Die Fragen danach, wer der bessere Yogi sei, halte ich für völlig unangebracht.
  5. Was machst du, wenn du vor einer schwierigen Entscheidung stehst und Rat suchst?
    Was ist schon eine schwierige Entscheidung? Oft ist es eine Entscheidung, mit der ich es mir selbst schwer mache. Ich fahre ganz gut damit, erstmal etwas abzuwarten. Meist klärt sich die Situation innerhalb kürzester Zeit von allein und mir ist klar, in welche Richtung es geht. Schwierig wird es meist dann, wenn man anfängt, sich zu viel Gedanken zu machen. Das ist verwirrend und führt leider oft in die Irre. Eine regelmäßige Meditationspraxis hilft sicherlich dabei sich nicht in diesen Gedanken zu verlieren und somit auch klarere Entscheidungen treffen zu können.
  6. Welchen Tipp gibst du Yoga-Anfängern?
    Ich ermutige meine Schüler dazu eigene, echte Erfahrungen zu machen und nicht irgendjemanden oder irgendetwas zu imitieren. Die meisten Anfänger sind gut damit beraten, geduldig zu sein. Getreu dem Motto „Practice and all is coming“. Es gibt jedoch auch einige, denen man hin und wieder etwas in den Hintern treten möchte. Ein Patentrezept habe ich daher eher nicht.

Roland Jensch 6 Fragen anMehr Infos zu Roland Jensch finden Sie auf seiner Website: www.rolandjensch.de