091211_3, Visakhapatnam

15.02.2010

PUJA

Von der Puja und dem Entzücken geht es nun nach Hause, zurück durch die Apokalypse und die Slums. Unser Rikschafahrer wartet und wir machen uns mitten in der Nacht auf den Heimweg, was uns später noch eine Lehre sein soll. Nach ca. einer halben Stunde werden wir mitten im Nirgendwo von einem Motorradfahrer angehalten. Keine Uniform, er sieht ziemlich verwegen aus in seinen wehenden Tüchern und zerzausten Haaren. Mir fährt der Schreck in alle Glieder. Schnell stellt sich heraus, dass es ein Zivilpolizist ist. Um diese Zeit ist es unüblich unterwegs zu sein, jeder der sich jetzt herumtreibt, macht sich verdächtig. Große Diskussion mit dem Fahrer, es wird mit dem Swami lebhaft telefoniert und ich werde nervös. Ab und zu steckt der Polizist seinen Kopf in den Innenraum der Rikscha und sagt unverständliche Dinge. Plötzlich bemerke ich aus den Augenwinkeln, dass sich hinten die Plane hebt und zwei lange, tentakelartige Arme suchend im Kofferraum umherhangeln. Als ich mich umdrehe starren mich auch noch zwei große, bewegungslose Augen an. Reflexartig stoße ich einen Schrei aus, woraufhin der Polizei mit einem Satz nach hinten springt und im nächsten Moment rennen die Tetankelarme mit dem Rest des Körpers genauso hangelnd die Straße entlang und werden von der Dunkelheit verschluckt. Schluck….mir fällt noch mehr das Herz in die Hose. Nach einigen Minuten können wir endlich weiterfahren, der Polizist bekommt 100 Rupies und wir sind nach einer weiteren knappen halben Stunde ohne Zwischenfälle zu Hause. Eins ist klar: Nachts besser nicht nach 2200h in der Gegend umherlaufen oder -fahren.

Zwei extreme Realitäten sind aufeinander geprallt, und das in kürzester Zeit – ich bin erschöpft und will nur noch ins Bett. Eine schnelle indische kalte Dusche muss aber noch sein, ich bin total verdreckt (indische Dusche heißt Wassereimer und Krug und sich übergießen, selbstverständlich mit kaltem Wasser) – der Schmutz der Straße wäscht schnell ab, die gelben Füße bleiben. Das Ritual lässt sich so schnell nicht abwaschen und die nächsten Tage laufe ich mit gelben Füßen in meinen Flip Flops durch die Stadt. Text+Bild: Eva Maria Moog

Yoga Shala