091211, Visakhapatnam

04.02.2010

AbhishekamEs stellt sich heraus, dass der Swami ein Zeremonienmeister ist. Er lädt uns ein, an einem Abhishekam teilzunehmen. Diese Einladung führt uns in einen anderen Stadtteil, in den Jai Durga Tempel „Malkapurum“. Mit der Autorikscha eine knappe Stunde von unserer Wohnung entfernt. Der Weg dorthin durchquert ein extrem apokalyptisches Industriegebiet, so etwas habe ich nie zuvor gesehen. Schwarzer, rußiger Dreck überall, Smog, dass man sich vermummen muss, um überhaupt weiter atmen zu können. Rechts und links entlang der Straße türmen sich riesige Fabrikanlagen und Raffinerien, mit kilometerlangen Förderbandanlagen. Vor und hinter uns LKWs, die schwarze Abgaswolken ausstoßen. Menschen laufen hier in der Gegend auch nicht so viele umher – wieso sollten sie auch. Irgendwann biegt der Fahrer links ab und kurvt in einem Gassengewirr ständig links und rechts herum. Ich verliere nun komplett die Orientierung. Wir sind jetzt in einer Wohngegend, die aus kleinen Häusern und engen Gassen besteht. Abrupt halten wir vor einem Haus und sind wohl angekommen. Wir steigen aus. Bisher waren Tempel Tempel. Dieser ist tagsüber eine Garage und wird erst abends zum Tempel. Wir werden herein gewunken, vorher noch schnell Füße waschen. Drinnen ist es schummrig und ca. 30 rhythmisch klatschende und monotone Gesänge ausstoßende Männer mit nackten Oberkörpern stehen stampfend im Kreis. Es ist in etwa so, wie ich mir früher kultische Zusammenkünfte vorgestellt habe, nur noch viel mystischer und archaischer. Und extrem kraftvoll. An ihrer Kleidung erkenne ich, es sind Anhänger der Göttin Ayapa, sie stammt aus Kerala. Die Geschichte dahinter ist etwas ungewöhnlich, jedenfalls so, wie Kathi sie mir erzählte (zu einer eingehenderen Recherche bin ich noch nicht gekommen, wird aber nachgeholt, für´s erste soll es so funktionieren): Vishnu verliebt sich nämlich in Shiva und um an ihn heran zu kommen, verwandelt er sich in die sehr attraktive Göttin Mohini. Die beiden bekommen schließlich ein Kind: Ayapa. Ihre Anhänger tragen grundsätzlich Schwarz, meistens schwarze Dutis (indische Tücher) über schwarzen Hosen und orange/rotfarbige Stirnsymbolik. Während der Zeremonie sind die Oberkörper unbekleidet und schön behängt mit verschiedenen Ketten. Wir werden sofort in den Kreis geholt, „Unser“ Swami sitzt vorne vor dem Altar und leitet offensichtlich die Zeremonie. Nach einiger Zeit ist es vorbei und wir ziehen als Trupp weiter zu einem anderen Haus. Hier findet eine große Puja statt. Schuhe aus und auf eine kleine Bank steigen. Unsere Füße werden von einigen Frauen gewaschen und während ich ins Haus gehe, sehe ich, dass sie komplett gelb eingefärbt sind, mit Turmenic.

Yoga Shala