091210, Visakhatpatnam
21.01.2010
Seit drei Tagen sind wir bereits wieder in Visakhapatnam, full on Citylife. Es ist heiß, staubig, eng, laut, nur zwischen Mitternacht und drei Uhr morgens ist es still. Nach drei Uhr singen die Anhänger der Göttin Ayapa ihre ekstatischen Lieder in den Morgen. Ich wache jeden Tag von ihnen auf und ich liebe diese Gesänge. Wir sind in der Wohnung von Guruji untergebracht, direkt neben dem Tempelzimmer. Täglich kommen Besucher. Es werden Rituale gemacht, zwischendurch telefoniert, am Computer gearbeitet, Daten ausgetauscht, diskutiert. Ein offenes Haus, immer bereit, Gäste zu empfangen. Die Grenze zwischen Spiritualität und Alltag ist fließend. Es ist eher so, dass die Spiritualität in und überall ist, die alltäglichen Angelegenheiten werden dabei fast nebenbei erledigt. Ihnen wird nicht so viel Aufmerksamkeit geschenkt. Wir haben Guruji unsere Fragen aufgeschrieben, er bat uns darum, um uns lehren zu können. Er möchte da ansetzen, wo wir stehen. Daraus wird ein Interview, mit Film- und Tonaufnahmen. Henning hat den Nebenjob, Bilder der Chakren für eine Animation in einem Grafikprogramm zu bearbeiten.
Von einem Swami haben wir eine erste Puja gelernt: Ganapti Tarpanas, eine Ganesh Waschung. Ein rhythmisch-mathematischer Versaufbau aus den 28 Silben des Ganapati Mantras ist die Basis, die weitere Formel ergibt sich aus aus der Kombination des Mantras mit weiteren neuen Versteilen sowie dem Einsatz der einzelnen Silben (Bijaksharas) in Kombination mit dem Mantra usw. Eine kleine Pyramide aus Tumericpaste symbolisiert Ganapati, sie wird auf ein Bethelblatt gestellt und das sich stets wiederholende Wort „Tarpayami“ ist das Signal für das Übergießen der Pyramide mit Wasser. Ein kleiner Löffel wird dafür mit Wasser gefüllt und man lässt das Wasser zwischen Mittel- und Ringfinger über die Pyramide fließen. Irgendwann löst sie sich auf. Dieses Tarpanas dauert ca. eine Stunde, in indischer Geschwindigkeit. Feuer und Wasser sind nun also präsent. Was kommt als nächstes? Fest steht, wir sind hier in einem tantrischen Devi-Kult in der Kaula Tradition gelandet. Was auch vorher schon klar war, doch langsam lüftet sich, was darin steckt. Bisher wurden uns in kurzer Zeit einige Rituale gezeigt. Aus weiteren Unterhaltungen wird deutlich, dass es noch viel weitreichendere Praktiken gibt.
Der Swami ist jeden Tag hier. Wir können ihn alles fragen, spirituelles (Pujas, Mantren, Mudras, Bajans usw.) und alltägliches (z.B. wo ist die nächste Wäscherei oder wo gibt es die beste Chaibude). Text+Bild: Eva Maria Moog



