2091206, Devipuram
18.01.2010
Sechs Uhr aufstehen, schnelle indische Dusche und weiter in die Kamakhya Shala zur ersten Homa, einer Feuerzeremonie zu Ehren Ganapatis (Ganesh) und Rudras (Shiva). Bis 0845h, dann Frühstück und um 1030h geht es weiter zur zweiten Zeremonie, der Chendi Homa, fast drei Stunden. Die Kamakhya Shala ist ein domartiger Kuppelbau, ca. 3m hoch und 10m im Durchmesser. Sie liegt im Südosten der Tempelanlage, diese steht symbolisch für Agni, Feuer. Eine aus Backsteinen gemauerte Feuerstelle befindet sich am Ende der Shala gegenüber des Eingangs. Sie ist mit weißer Kreide, sowie gelben und roten Farbpigmenten ornamental und symbolisch verziert.
Im Raum verteilt befinden sich verschiedene geometrische Objekte, ebenfalls aus demselben Stein gemauert. Auf dem Boden sind verschiedenste rituelle Gegenstände fein säuberlich aufgereiht: Schalen mit Puffreis, Reiskörnern, Blüten, duftendem Wasser, Ghee, Rituallöffel, Räucherwerk, Öllampen usw. Wir nehmen um die Feuerstelle herum auf Strohmatten Platz und das Feuerritual beginnt.Unzählige Sanskrit Verse werden in einer nicht mehr nachvollziehbaren Geschwindigkeit in monothonen Rhythmen gesungen. Bestimmte Worte verlangen die Opfergaben, in diesen Momenten werden Reiskörner und Puffreis von allen Beteiligten in kleinen Mengen auf rituelle Weise immer wieder ins Feuer geworfen. Mit der Zeit verfalle ich in eine leichte Trance, die sich zwischen einem nährenden und einem transformativen Empfinden abwechselt. Einmal nähre ich das Feuer mit den anderen gemeinsam, wir füttern es buchstäblich und damit eine bestimmte Energie. Dann sind es wiederum Gefühle die auftauchen, Bilder und Erlebnisse. Viele von ihnen sind unangenehm, Trauer, Zweifel, Ängste usw. Mit jeder dem Feuer gegebenen Opfergabe überlasse ich diese Gefühle und Empfindungen den Flammen, verbrenne sie und spüre wie sie sich auflösen. Alles wird zu hitziger Glut und ich werde leerer und leerer…gleichzeitig vollständig ruhig und komplett.
Rund fünf Stunden Puja und jede Menge Feuerrauch. Für heute scheint es erstmal genug zu sein.
Wir essen in einer niedrigen Hütte. Schon morgens um 700h knistert in einer sehr, sehr einfachen Küche der Holzofen, der Koch bereitet die Gerichte für den Tag vor. Morgens gibt es eine Art Hirsebrei, Mittags Reis mit verschiedenen Gemüsen und Chutneys, abends wieder Reis mit Gemüse und verschiedenen pikanten Soßen-immer scharf bis sehr scharf. Zum Löschen wird selbst hergestellter Yoghurt gereicht.
Als Teesüchtige stehe ich gerne im Türrahmen der Küche und bitte den Koch um etwas Chai. Meistens hat er welchen auf dem Herd. Es schmeckt köstlich. Text+Bild: Eva Maria Moog



